12.2.2026
Was war das denn bitte? Klarer kann ein Elfmeter kaum sein. Thielmann zieht ab, Baumgartner klärt erst mit dem Bein auf der Linie und dann springt ihm die Kugel an den Arm, der Ball geht ohne diese Berührung sehr wahrscheinlich rein. Wenn man die Regelauslegung streng nimmt, ist das nicht nur Strafstoß, sondern in letzter Konsequenz auch Rot, weil er eine klare Torchance verhindert. Stattdessen gibt es minutenlangen VAR-Check, Willenborg geht raus an den Monitor und entscheidet auf Abseits im Vorfeld. Millimeter, mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Kölsches Abseitspech, sächsisches Abseitsglück. So fühlt es sich zumindest an.
…aber der Reihe nach.
Der FC begann gegen Leipzig mutig und mit ordentlich Tempo. Schon nach fünf Minuten hatte El Mala nach einem Umschaltmoment die erste gute Gelegenheit, auf der Gegenseite klatschte ein Versuch von Romulo an den Pfosten. Es war ein offener Beginn, mit leichten Feldvorteilen für die Gäste, die mehr Ballbesitz hatten, ohne zunächst zwingend zu werden. Wenn es bei uns gefährlich wurde, hatte meist El Mala seine Füße im Spiel, so auch in der 22. Minute, als er aus guter Position knapp verzog.
Der Nackenschlag fiel dann nach einem Standard. Freistoß aus dem rechten Halbfeld, unsere Zuordnung einen Tick zu passiv, und ausgerechnet Baumgartner, nicht unbedingt als Kopfballungeheuer bekannt, nickt recht unbedrängt zum 0:1 ein. Bitter, weil es bis dahin kein Spiel war, in dem wir klar unterlegen gewesen wären. Vor der Pause fehlte uns dann oft der letzte Pass, die letzte Präzision, sodass es mit dem Rückstand in die Kabine ging.
Und dann kam dieser Moment, der das Stadion kurz explodieren ließ. Thielmann zieht nach der Pause ab und hämmert das Ding sehenswert in den linken oberen Winkel, ein Tor der Kategorie „kannste dir einrahmen“. Leipzig reklamierte noch ein Foul im Vorfeld, doch der Treffer hielt dem VAR-Check stand. 1:1, das Momentum auf unserer Seite, die Hütte da.
Leider währte die Euphorie nicht lange. Leipzig antwortete eiskalt. Baumgartner nimmt den Ball im Sechzehner stark mit und trifft aus der Drehung ins kurze Eck zum 1:2
Der FC steckte nicht auf, im Gegenteil. Wir glaubten weiter dran, warfen alles rein. Kaminski verpasste in guter Position, wir drückten, wir wollten. Und dann eben diese 76. Minute. Der Schuss, die Rettungsaktion, der Arm, der VAR. Am Ende kein Elfmeter wegen einer Abseitsstellung im Vorfeld. Laut Analyse hatten die Leipziger in dieser Szene durchaus Glück. In der Schlussphase ging es hin und her. Leipzig hatte durch Nusa noch einen Pfostentreffer, auch der eingewechselte und mit einem Pfeifkonzert begrüßte Ex-Kölner Finkgräfe ließ eine Entscheidung liegen. Am Ende blieb es beim 1:2.
Was bleibt? Ärger über eine Szene, die das Spiel komplett hätte kippen können. Aber auch die Erkenntnis, dass wir phasenweise absolut auf Augenhöhe waren.
Es war ein Spiel, das auf Messers Schneide stand und das durch Details entschieden wurde. Details, die diesmal nicht für uns liefen.
Klar, der Frust sitzt tief. Doch so weh die Niederlage gegen dieses Konstrukt auch tut: Wenn wir diese Intensität, diesen Glauben und diese Wucht mitnehmen, dann werden wir noch genug Spiele erleben, in denen das Pendel wieder für uns ausschlägt.
Ein Wort noch zu den Rängen: Der Gästeanhang blieb, sagen wir es freundlich, überschaubar. Unsere aktive Fanszene hat dem Dosenprojekt wie angekündigt weiterhin keine Bühne geboten, bewusst verzichtet auf Fahnen, Banner und Doppelhalter, kein optischer Rahmen für ein Konstrukt, das mit Fankultur so viel zu tun hat wie dr Energy-Driss mit‘nem lecker Kölsch. Stattdessen ein großes, treffendes Spruchband auf der Süd: „Für die eine bes du die Investition met Aussicht op Jewinn – für die andere bes du dat Levve met Sorje, Jlöck un Ping.“ Mehr Unterschied kann man zwischen Geschäftsmodell und Herzensangelegenheit kaum in Worte fassen.