22.1.2026
Wie uns am Mittwoch gegen die Bayern zum wiederholten Male demonstriert wurde, gehört das Abbrennen von Pyrotechnik in vollbesetzten Stadien für einige Fanszenen längst zum festen Bestandteil der Selbstinszenierung. Bengalos, Rauchtöpfe, Funkenregen. Das alles wird gern als „Stimmung“, „Fankultur“ oder gar als Ausdruck von Emotionen verkauft. Doch spätestens seit dem Jahreswechsel sollte klar sein: Feuer bleibt Feuer. Und Feuer interessiert sich nicht für Narrative, Fankurven oder vermeintliche Rituale. In der Schweiz wurde zum Jahreswechsel eine Festveranstaltung innerhalb kürzester Zeit zur Todesfalle. Eine minimale Zündquelle, es reichten Wunderkerzen, traf auf leicht entflammbares Deckenmaterial. Es kam zu einem Flashover, einer schlagartigen Durchzündung des Raumes. Innerhalb von Sekunden entwickelte sich ein Inferno, Rauch und Hitze versperrten die Fluchtwege, Überlastung und Panik taten ihr Übriges. Menschen starben, viele wurden verletzt. Unser tiefstes Mitgefühl gehört den Angehörigen der Todesopfer und den fürs Leben gezeichneten Verletzten.
Wer jetzt reflexhaft sagt „Das ist doch kein Stadion“, blendet aus, worum es hier geht: Branddynamik, Menschenmengen, eingeschränkte Fluchtwege. Ein gefülltes Fußballstadion ist kein luftleerer Raum, sondern eine bauliche Anlage mit Dachkonstruktionen, Verkleidungen, Doppelhaltern, Schwenkfahnen, Bannern und Zehntausenden Menschen. Pyrotechnik ist dort nicht verboten, weil der DFB schlechte Laune hat, sondern weil sie objektiv eine Gefahrenquelle darstellt. Dass diese Gefahr selbst im Fußball real ist, zeigte jüngst auch der Vorfall in Rostock. Bei einer genehmigten Choreografie wurde ein neunjähriger Junge durch Pyrotechnik schwer verletzt. Ein Kind. Keine „Selbstgefährdung“, kein bewusster Regelbruch mit einkalkuliertem Risiko, sondern ein unbeteiligtes Opfer einer Handlung, deren Risiken angeblich „im Griff“ seien. Waren sie nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen gelangte ein noch brennendes pyrotechnisches Element auf das Stadiondach, erhitzte dort Bauteile und tropfte in der Folge als glühendes Material in den Zuschauerbereich. Der DFB reagiert darauf seit Jahren mit einem transparenten Strafenkatalog. Nichtgenehmigte Pyrotechnik ist per se regel- und gesetzeswidrig, die Vereine haften unabhängig davon, wer zündet. Das ist unbequem, aber folgerichtig. Interessant wird es dort, wo Verantwortung plötzlich verdampft wie roter Rauch im Oberrang. Fanszenen, insbesondere aus der Ultrakultur, fordern lautstark den Einsatz von Pyro im Stadion. Lehnen aber eine Beteiligung an Haftung oder Konsequenzen schon bei „kalten“ Choreografien kategorisch ab. Das gilt auch ganz konkret in Köln. Wer übernimmt Verantwortung, wenn etwas schiefgeht? Niemand. Wer wird gefährdet? Grundsätzlich alle Stadionbesucher. Was wird diese PyroShow vom Mittwoch dem Verein wieder kosten? Wahrscheinlich ein-zweihundertausend Euro.
Besonders auffällig ist die Entwicklung seit den Corona-Zuschauerrestriktionen. Vor der Pandemie war Pyrotechnik bei Heimspielen des FC durch Heimfans eine seltene Erscheinung. Nach der Rückkehr der „aktiven Szene“ änderte sich das Verhalten sichtbar. Pyro wurde häufiger, offensiver, selbstverständlicher. Vielleicht als Ausdruck aufgestauten Geltungsdrangs, vielleicht als Reviermarkierung nach der langen Abwesenheit. Fakt ist: Die Schwelle sank, die Normalisierung nahm zu. Das Ergebnis davon sind Spielunterbrechungen, Sichtbehinderungen, giftige Dämpfe und Rückstände des verbrannten Magnesiums an der Bekleidung vieler Fußballfans.
Dabei hat sich an den physikalischen Grundlagen nichts geändert. Rauch bleibt Rauch. Hitze bleibt Hitze. Panik bleibt Panik. Und Fluchtwege bleiben endlich. Wer die Tragödie in der Schweiz oder den Vorfall in Rostock ernst nimmt, kann Pyrotechnik im Stadion nicht romantisieren, ohne gleichzeitig Gefahren solche Gefahren zu relativieren bzw. zu ignorieren. Niemand bestreitet, dass Fankultur Emotion braucht. Aber wer den liberalen Umgang mit Feuer fordert (die Stimmen werden im Verein ja immer lauter), muss auch Verantwortung tragen und tragbare Brandschutzkonzepte liefern. Alles andere ist kein Widerstand, sondern Bequemlichkeit. Oder einfach gesagt: Viel Rauch um nix!
Es hat einen guten Grund warum wir diesen Text hier veröffentlichen. Weil unsere Mitglieder es so wollen. Fans1991 ist mit über 15.000 Mitgliedern die größte Fanorganisation des 1. FC Köln. In einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2025 haben 87 Prozent klar gesagt, dass sie ein deutliches Engagement gegen Pyrotechnik und rücksichtsloses Verhalten im Stadion für (sehr) wichtig halten. Das ist ein Auftrag und diesem kommen wir nach. Dieser Artikel steht für Haltung. Auch die Eindrücke rund um das letzte Heimspiel gegen den FC Bayern München zeigen, dass das Thema viele bewegt. Deshalb laden wir euch ein, eure Erfahrungen und Meinungen mit uns zu teilen, allgemein wie auch konkret zum Spiel gegen die Bayern.
Zesamme stonn heißt auch: Verantwortung übernehmen. Schreibt uns an: